Forschungsgruppe Schizophrenie

Die Forschungsgruppe Schizophrenie befasst sich schwerpunktmäßig mit der Erforschung neurokognitiver Defizite der Schizophrenie. Weitere Projekte umfassen die Entwicklung alternativer psychotherapeutischer Behandlungsstrategien sowie interkulturelle Stigmaforschung. Die einzelnen Projekte werden im Folgenden ausführlicher erläutert.

Sie befinden sich hier:

Neuropsychologische Marker psychiatrischer Erkrankungen

Neuropsychologische Defizite zählen krankheitsunabhängig zu den am häufigsten eingeschränkten Domänen der menschlichen Psyche. Mittlerweile weiß man, dass diese Defizite zeitlich oftmals am Beginn der Entwicklung einer psychischen Erkrankung stehen. Auf der Basis dieser Kenntnis werden alle psychiatrischen Patienten der Klinik neuropsychologisch vielfältig getestet, sämtliche Domänen der Neuropsychologie wie Exekutivfunktionen, Alt- und Neuzeitgedächtnis, Merkfähigkeit und Auffassung werden spezifisch untersucht und eine umfangreiche neuropsychologische Datenbank erstellt. Wir erhoffen uns weitere Erkenntnisse über die Bedeutung der Neuropsychologie bei der Entstehung psychischer Erkrankungen.

Ansprechpartner für dieses Projekt.

Untersuchungen zur Bedeutung genetischer Determinanten in der Ätiopathogenese der Clozapin-induzierten Agranulozytose

Diese Untersuchung dient der Identifizierung genetischer Variationen, die zu bedrohlichen Veränderungen des Blutbildes unter Therapie mit Clozapin führen können. Die Agranulozytose, also das eingeschränkte Funktion bestimmter weißer Blutkörperchen, ist ein zwar seltenes, jedoch bedrohliches Krankheitsbild, das den Einsatz von Clozapin, einem ansonsten sehr bewährten Medikament zur Behandlung der Schizophrenie, deutlich einschränkt. Eine Früherkennung gefährdeter Patienten wäre für die klinische Behandlung der Schizophrenie von größtem Nutzen.
Seit 2009 besteht eine weltweite Kooperation (Clozapine induced Agranulocytosis Consortium, CIAC) unter Federführung des NIMH und weiteren großen psychiatrischen Zentren der USA (Boston, New York, Stanford) sowie europäischen Zentren in London, Stockholm und Kopenhagen.

Ansprechpartner für dieses Projekt.

Neurobiologie der postpartalen psychischen Störungen

Postpartale psychische Erkrankungen sind sowohl hinsichtlich stationärer Behandlungsangebote als auch ihrer Bedeutung in der psychiatrischen Forschung stark unterrepräsentiert. Dies ist umso bemerkenswerter als sie ein Modell für verschiedene Hypothesen über die Entstehung psychischer Erkrankungen darstellen, z.B. hinsichtlich neuroendokriner Fragestellungen. Auch bzgl. der Bedeutung genetischer und umweltbedingter Interaktionen bei der Entstehung psychischer Erkrankungen können spezifische Fragestellungen abgeleitet werden. Deshalb werden umfangreich soziale und biologische Variablen der Patientinnen unseres postpartalen Moduls erhoben.

Kontaktperson für dieses Projekt.

Wirksamkeit der Akzeptanz- und Commitment Therapie (ACT) bei psychotischen Erkrankungen

Neben unserem stationären und teilstationären Psychotherapieangebot bei psychotischen Störungen, basierend auf dem Konzept der Kognitiven-Verhaltenstherapie (KVT), erforschen wir (Ansprechpartner: Kerem Böge) in diesem Verbund als Teil unseres stationären und ambulanten Angebotes die Wirksamkeit der Akzeptanz und Commitment Therapie (ACT) bei psychotischen Erkrankungen. ACT ist ein psychotherapeutischer Behandlungsansatz, der der zur sogenannten "dritten Welle" der Verhaltenstherapie zugeordnet wird. Die "dritte Welle" der Verhaltenstherapie erweitert die Prinzipien des Konditionierungslernen und der kognitiven und emotionalen Informationsverarbeitung um weitere Phänomene des menschlichen Verhaltens erweitert (Dimidjian et al., 2016). In ACT werden langjährig in ihrer Wirksamkeit nachgewiesene verhaltenstherapeutische Techniken mit achtsamkeits- und akzeptanzbasierten Strategien und Interventionen kombiniert.

Das übergeordnete Ziel von ACT ist es, die psychische Flexibilität zu erhöhen, die für ein wertorientiertes Handeln und Leben unter wechselnden inneren und äußeren Lebensbedingungen erforderlich ist. Mit psychischer Flexibilität ist hier gemeint, dass eine Person in Kontakt mit dem gegenwärtigen Moment steht und ihr Verhalten auch bei Vorliegen von psychiatrischen Symptomen selbstbewusst und zielorientiert ändern kann, je nachdem was die aktuelle Lebenslage erfordert. Akzeptanz, Commitment, Achtsamkeit und werteorientiertes Handeln kann dabei erlernt und trainiert werden. Die Akzeptanz- und Commitment Therapie fußt trotz ihrer jungen Geschichte auf einer empirischen Grundlage (A-Tjak et al., 2014) und konnte in Bezug auf unterschiedliche psychiatrische Störungen wissenschaftlich nachgewiesene und anhaltende psychotherapeutische Effekte erzielen.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, individuelle Faktoren von psychotischen Erkrankungen, die zur Aufrechterhaltung und dem Anhalten von Symptomen einer Schizophrenie beitragen im Rahmen von ACT zu erforschen. Einige Studien konnte vielversprechende Erfolge der ACT bei psychotischen Erkrankungen nachweisen, welche als Grundlage dieses Forschungsprojektes dienen. (Johns et al., 2016; Gaudiano et al., 2015; Louise et al., 2015; Thomas et al., 2014).

Unter Berücksichtigung der Symptomatik des Patienten wird eine personenbezogene klinisch-psychologische Differentialdiagnostik durchgeführt, um zusätzlich zu unserer stationären oder teilstationären universitären Versorgung an der ACT Gruppentherapie teilnehmen zu können. Im Rahmen einer ab 2018 beginnenden Studie werden mit den Patienten gemeinsam Übungen und Interventionen erarbeitet und durchgeführt, um eine Akzeptanz - Achtsamkeitsbasierte psychotherapeutische Versorgung von Patienten mit psychotischen Symptomen zu entwickeln.

Quellen: A-Tjak, J. G., Davis, M. L., Morina, N., Powers, M. B., Smits, J. A., & Emmelkamp, P. M. (2014). A Meta-Analysis of the Efficacy of Acceptance and Commitment Therapy for Clinically Relevant Mental and Physical Health Problems. Psychotherapy and Psychosomatics, 84(1), 30-36. doi:10.1159/000365764 Dimidjian, S., Arch, J. J., Schneider, R. L., Desormeau, P., Felder, J. N., & Segal, Z. V. (2016). Considering Meta-Analysis, Meaning, and Metaphor: A Systematic Review and Critical Examination of "Third Wave" Cognitive and Behavioral Therapies. Behavior Therapy, 47(6), 886-905. doi:10.1016/j.beth.2016.07.002 Gaudiano, B. A., Busch, A. M., Wenze, S. J., Nowlan, K., Epstein-Lubow, G., & Miller, I. W. (2015). Acceptance-based Behavior Therapy for Depression With Psychosis. Journal of Psychiatric Practice, 21(5), 320-333. doi:10.1097/pra.0000000000000092 Johns, L. C., Oliver, J. E., Khondoker, M., Byrne, M., Jolley, S., Wykes, T., ... Morris, E. M. (2016). The feasibility and acceptability of a brief Acceptance and Commitment Therapy (ACT) group intervention for people with psychosis: The 'ACT for life' study. Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry, 50, 257-263. doi:10.1016/j.jbtep.2015.10.001 Louise, S., Fitzpatrick, M., Strauss, C., Rossell, S. L., & Thomas, N. (2017). Mindfulness- and acceptance-based interventions for psychosis: Our current understanding and a meta-analysis. Schizophrenia Research. doi:10.1016/j.schres.2017.05.023 Thomas, N., Shawyer, F., Castle, D. J., Copolov, D., Hayes, S. C., & Farhall, J. (2014). A randomised controlled trial of acceptance and commitment therapy (ACT) for psychosis: study protocol. BMC Psychiatry, 14(1). doi:10.1186/1471-244x-14-198