Die Borderline-Störung

Die Persönlichkeitsstörungen sind mit einer Lebenszeitprävalenz von bis zu 13 % eine der häufigsten psychischen Erkrankungen, die oft unterdiagnostiziert und leider häufig auch unterversorgt sind. Dabei führen sie nicht nur zu einer hohen psychosozialen Belastung des Betroffenen, sondern stellen auch einen Risikofaktor für viele andere psychische Erkrankungen dar. Neuere psychotherapeutische und psychopharmakologische Konzepte haben jedoch die Möglichkeiten einer effizienten Therapie für diese PatientInnen wesentlich erweitert.

Unsere Klinik bietet eine 12-wöchige stationäre Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) für Frauen und Männer mit Borderline-Persönlichkeitsstörung an.

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Die Borderline-Persönlichkeitsstörung

Die Bezeichnung "Borderline" hat eine wechselvolle, wenn auch kurze Geschichte hinter sich. Trotz ihres Status als eine offizielle diagnostische Einheit (erstmals in der DSM-III-Nomenklatur Anfang der 80erJahre) ist ihre Benutzung als formale syndromale Kennzeichnung bis heute nicht unumstritten. Jahrzehntelang galt die Borderline-Störung als psychische Erkrankung, die an der Grenze zwischen neurotischen und psychotischen Störungen anzusiedeln war. Heute wird unter dem Begriff "Borderline" ein instabiles Verhaltensmuster verstanden, für das nachfolgende Beschwerden und Symptome charakterisch sind:

Symptome

  • Verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu vermeiden.

  • Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen den Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist.

  • Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung

  • Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen - Geldausgaben, Sexualität, Substanzmissbrauch, rücksichtsloses Fahren, "Fressanfälle"

  • Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandrohungen oder -deutungen oder Selbstverletzungsverhalten.

  • Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung, z.B. hochgradige episodische Dysphorie, Reizbarkeit oder Angst, wobei diese Verstimmungen gewöhnlich einige Stunden und nur selten mehr als einige Tage andauern.

  • Chronische Gefühle von Leere.
  • Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren (z.B. heftige Wutausbrüche, andauernde Wut, wiederholte körperliche Auseinandersetzungen).

  • Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Zustände.

Begleiterkrankungen (Komorbiditäten)

Häufig haben Personen mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) zusätzlich eine oder mehrere zusätzliche Diagnosen. Die Komorbidität mit einer Depression wird in verschiedenen Studien zwischen 30 und 87% geschätzt. Aus Studienergebnissen geht hervor, dass 64-66% der Betroffenen irgendwann im Verlauf ihres Lebens die diagnostischen Kriterien für Substanzmissbrauch erfüllen, 46-56% eine Posttraumatische Belastungsstörung haben, 23-47% eine soziale Phobie, 16-25% eine Zwangsstörung, 31-48% eine Panikstörung, 29-35% eine Essstörung und bis zu 60% eine Aufmerksamkeits-Hyperaktivitätsstörung (ADHS).

Im Bereich der Persönlichkeitsstörungen wurde bei Personen mit BPS am häufigsten zusätzlich eine ängstlich-vermeidende (43-47%), dependente (16-51%) und paranoide Persönlichkeitsstörung (14-30%) diagnostiziert. Diese hohen Prävalenzangaben für komorbide Persönlichkeitsstörungen bei Personen mit BPS basieren auf klinischen Studien mit stationären PatientInnen, die meist eine stärkere Symptomatik im Vergleich zu ambulanten PatientInnen aufweisen.

Besondere Merkmale

Das Verhaltensmuster bei der Borderline-Störung konnte bisher überall in der Welt gefunden werden. Die Störung kommt bei Männern und Frauen gleich Häufig vor; in Behandlung kommen allerdings Frauen wesentlich häufiger (75%). Die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung beträgt bis zu 3%. Auffallend sind eine hohe Suizidrate von 5-10% und eine Selbstverletzungsrate von 69-80%. Das höchste Suizidrisiko liegt zwischen dem 20.-30. Lebensjahr. Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Borderline-Störung trotz ihrer Komplexität und häufigen Komorbidität langfristig gesehen (auf einen Zeitraum von 5-10 Jahren) bei entsprechender Behandlung eine eher gute Prognose hat.

Ätiologische Aspekte

Die Borderline-Störung hat eine hohe genetische Komponente, kommt somit in Familien gehäuft vor. Weiterhin finden sich bei Patientinnen und Patienten mit einer Borderline-Störung in mindestens 70% der Fälle chronische Traumata wie sexueller Missbrauch und/oder emotionale Vernachlässigung in der Kindheit.

Neurobiologische Veränderungen

Patienten mit Borderline-Störung zeigen auch neurobiologische Veränderungen. Hirnareale der Emotionsregulation (Amygdala, Inselregion) und Hirnareale der kognitiven Kontrolle (Präfrontalhirn) zeigen Auffälligkeiten in Funktion, Struktur und Konnektivität (den Verbindungen). Weiterhin sind Auffälligkeiten in den Stresssystemen (HPA-Achse), den Hormonen (Androgene) und in immunologischen Parametern beschrieben.

Symptome auf psychologischer Ebene und Verhaltensebene

Borderline-PatientInnen zeigen häufig sehr ausgeprägte schuld- und schambesetzte Grundannahmen, die in sich resistent bleiben, retraumatisierenden Erfahrungen unterliegen und somit immer wieder aktiviert werden können. Auf der Verhaltensebene kommt es bei vielen PatientInnen unter hohen Anspannungszuständen zu suizidalen Handlungen, Selbstverletzungen, aggressiven Durchbrüchen, schambesetzten Vermeidungsverhalten und Hochrisikoverhalten.